Rezensionen



Ich sehe die Rezensionen als eine Art von Kinderkrankheiten an,

welche die neugeborenen Bücher mehr oder weniger befällt.

 

Georg Christoph Lichtenberg

 





Rezensionen und andere Diagnosen zum Buch "HINTERGEDANKEN"


Blitzschnelle Florettstiche gegen alles angeblich Göttliche und Moralische. Radikal antiklerikal, politisch skeptisch-tolerant und rebellisch. Sonja Grass, ein unruhiger Geist mit imponierenden Gedankengängen.

Stephen Jordi, Dr. phil., Wien



Das Buch HINTERGEDANKEN von Sonja Grass zeigt rabenschwarzen Humor und Satire von der allerbesten Sorte mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. Kein Allerweltnonsens. Scharfzüngiger, intelligenter Witz und bissiger Zynismus auf sympathische Weise präsentiert. Lachmuskeln und Hirn werden gleichermaßen beansprucht. Zur Entspannung und Bewusstseinserweiterung können die beigefügten Lutschtabletten "Cere-Brumm" eingenommen werden. Das Buch verlangt nach einer Zugabe.

Mike Hayes

Der Rezensent ist Journalist und lebt derzeit in London, UK

 


 

Viele Bücher und Schriften wurden mir bereits präsentiert, mit unterschiedlichsten Themen, alle natürlich gesellschaftsrelevant oder zumindest mit diesem Anspruch versehen. Dabei, das wissen wir alle, klaffen Anspruch und dessen Erfüllung zumeist weit auseinander.

 

Das Buch HINTERGEDANKEN von Sonja Grass, erhebt zuerst und vor allem den Anspruch, gelesen zu werden. Ein schlichtes Lesebuch also? Doch nicht so ganz das, was wir allgemein gewohnt sind als Lesebuch zu bezeichnen. Es ist eines ohne abenteuerliche, unterhaltsame und spannende Geschichten. Was ja nicht heißt, dass es nicht trotzdem voller Abenteuer, Unterhaltungswert und Spannung ist. Aber dennoch: Ein Lesebuch. Nur, was will es mit seinen kurzen Texten, die auf den Alltag reflektieren, die Vordergründiges hintergründig beworten und bewerten? Texte, die nicht auf die Zielscheibe zielen und dennoch ins Schwarze treffen? Sozusagen durch die Brust ins Auge?

Texte, die da und dort an Tabus rühren, aber sie nicht brechen?

 

Ein Buch der Andeutungen ohne Deutungen also? – Oder liegt die Deutung dann im verwunderten Gesicht des Lesers?

In seinem Lachen, mit dem er quittiert, dass er es so oder ähnlich gesagt, geschrieben hätte, hätte er überhaupt daran gedacht, seine Gedanken niederzuschreiben, in ein Buch zu packen und dieses den Menschen zum Nachlesen zu geben?

 

Ach ja – Nachlesen: Das war einmal der Gang über den Acker, um dort nach der großen Ernte die übriggebliebenen Ähren aufzulesen und so sie zur Kostbarkeit, oder sollte ich sagen Köstlichkeit, zu machen,– auch im Sinne von kosten, worin wiederum zwei Bedeutungen stecken.

 

Ich meine, so ist es auch mit diesem Buch von Frau Grass, die Gelesenes im Sinne von Gesammeltes, Aufgelesenes richtiggehend auskostet und dadurch zum Kostbaren oder Köstlichen macht, indem sie es – wie der Volksmund so schön sagt – brühwarm serviert. In unserer eigengeschmacklichen Orientierung bleibt nach dem Genuss des Gebotenen manchmal ein bitterer oder auch schaler Geschmack zurück. Dies nicht etwa, weil das Angebotene nicht entspricht, sondern weil die pointierte Würzung so manche Nuance heraushebt, die ansonsten – sozusagen beim gleichen Grundmenue – verloren geht oder überdeckt und damit nicht wahr genommen wird und damit dann auch nicht störend wirkt.

 

Mag. Albert Ruetz

Der Rezensent ist Germanist und Kulturreferent der Stadt Feldkirch



Das sehr ansprechend gestaltete Buch hintergründiger Aphorismen der Vorarlbergerin Sonja Grass, Jahrgang 1959, zeigt schon durch die Beigabe eines Pillenbehälters mit bewusstseinserweiternden «Cere-Brumm», dass die Autorin Witz hat und diesen von den Leserinnen und Lesern erwartet. Eine gute Idee, die mir aber im Buch selbst etwas zu stark betont und ausgewalzt wird.

Die Betrachtungen über die unterschiedlichen Eigenschaften diverser Europäer, inklusive der Österreicher, sind zwar durchaus humorvoll geraten, bedienen aber, für meinen Geschmack, zu viele alte Klischees. Dies verwundert, da die sonstigen politischen und ethnischen Betrachtungen der Autorin von wachem und kritischem Geist zeugen.

Die um Philosophisches bemühten Sprachspielereien erinnern mich allerdings eher an Spielchen aus der Studienzeit, die als Party Gag tauglich gewesen sein möchten, nicht aber für die Konservierung im Buch. Hier liegt doch eine starke Konkurrenz gerade älterer Aphoristiker vor, an deren scharfen Ergüssen man gemessen wird. Und da muss Sonja Grass wohl noch weiter hintandenken.

Die Illustrationen von Hildegard Unterweger treffen den Kern der Sache und ergänzen köstlich mit «spitzer Feder», was ich gerne spitzer auch in Worten gelesen hätte.

Elisabeth Zahlmayer

Die Rezensentin ist Schulrätin und lebt in Wien und Salzburg


Anmerkungen zur Rezension Zahlmayer

«Hintergedanken» von Sonja Grass hat eben Hintergedanken. Und da kann ich die etwas heftige Kritik von Frau Schulrätin nicht ganz übernehmen. Zumal mir auch auffällig erscheint, dass Frau Zahlmayer Erinnerungen an ihre Spielereien erfährt, eben durch Hintergedanken.

Osten ist Osten, Westen ist Westen. Hier denkt man so, so denkt man dort und auch die Spielereien in Wort und Geist kommen zum Ausdruck. Sonja Grass kann durchaus bewusst dieses Mittel eingesetzt haben um mit Hintergedanken eben auf diese Klischees hinzuweisen. Wir leben ja in einer Welt und Gesellschaft voller Klischees. Sonja Grass muss sich nicht an älteren Aphoristikern messen, sie hat ihr eigenes Profil und gehört eben einer jungen Generation an.

Die Wortwahl ist ausgewogen, vielleicht manchmal in sich verborgen, witzig und inhaltlich kernig. Mal weniger, mal mehr spitzig. Die abwechslungsreichen Formulierungen von Hintergedanken verleiten zum Nachdenken, was hinter den Gedanken gemeint ist. Und das ist mit dem kleinen Buch in origineller Aufmachung durchaus gut gelungen. Lesenswert und erweiterbar für den eigenen kritischen Weg der Hintergedanken.


Roland H. Handl, Unternehmer, Wien

Eine Satire lebt durch große, inhaltliche Freiheiten. Mit Spott und Übertreibung bildet sie das reale gesellschaftliche Leben ab, denn der Scherz hat eine ernste Komponente. Sie ist mehr als nur anspruchslose Gebrauchskunst, sozusagen ein Zerrspiegel seiner Zeit – also ist es paradox, aktuelle Texte mit jenen aus vergangenen Zeiten zu vergleichen.

Der Quellenwert der gesellschaftskritischen Texte ist schwerer zu fassen, zumal dem Autor frei steht, nicht unbedingt gesellschaftlich signifikant zu sein. Leser bestimmter, meist bildungsbürgerlicher Gruppierungen zeigen oft wenig Verständnis für reale Parallelwelten und beziehen in der Folge kraftvoll eine Gegenposition. Ein guter Satiriker sollte sich jedoch hautnah mit seinem Kriterium auseinandersetzen, was Frau Sonja Grass absolut gelungen ist.


E. Morgenstern, Zürich

 


Das Gesamtwerk gliedert sich in

 

A) eine Pillenschachtel

und

B) in ein Buch ohne Pillenschachtel.

 

Die Pillenschachtel, welche Pfefferminzpastillen enthält,

ist leider allzu rasch ausgelesen, idealerweise mit

Daumen und Zeigefinger.

 

Nehmen wir nun B) das Buch zur Hand. Kein Zweifel, das

ist die Autorin vorne auf dem Cover. Wer's nicht glaubt

soll das Buch umdrehen, die Teufelshörnchen geben uns die

letzte Gewissheit.

 

Schlagen wir das Buch auf einer x-beliebigen Seite auf.

Zum Beispiel auf Seite 45 - Psychiatrisches - und lesen zu unserem

Befremden von einer Masturbatoren Selbsthilfegruppe

(lesen Sie das Buch eigentlich allein oder gerade jemanden vor?)

Nach ausgiebiger Befremdung blättern wir rasch eine Seite

weiter vor und blicken entsetzt und lange auf eine

"Busen-Größe-Tastwand-für-Männer-ohne-Größe", lustig

illustriert von der bekannten Künstlerin Hildegard Unterweger.

 

Aber es wird noch besser.

Die Autorin begleitet den Wiener, der ja ein bisschen auch

ein Österreicher ist, auf zwei Seiterln (71 und 73) zum

Zentralfriedhof, bemerkt beim Schweizer Löcher im Bankgeheimnis,

erlebt die Deutschen als ein Volk mit nur drei Himmelsrichtungen, weil

es den Osten verloren hat.  Ganz egal ob es nun Franzosen, Liechtensteiner,

Amerikaner, den Tod, die Katholische Kirche,

Politik, Gefühle, Beziehungen, Genetik,

ägyptische Bondage (Mumien), Gothic Babies, Essen

oder Schwer-Verdauliches (von Farbe und Eva Braun),

Innovatives, Mohammed, Buddha, den Dalai Lama, Jesus, Moses,

Allergien (auf dieses und jenen), Zeit, Phallosophie oder

Liebesplacebos betrifft, Sonja Grass findet dazu originelle Ansichten welche

uns zum Schmunzeln aber auch zum Hinter-Nachdenken anregen.

 

Ein unterhaltsames Buch mit viel Charme und Witz.

 

Dr. Hannes Hassler / Naturwissenschaftler / Wien

 




zurück zu hotspott       zurück